«Langets» – persönliche Finanzplanung

Eine Startup-Idee für ein Finanztool, das schnell und einfach zeigt, ob und wann man sich etwas wirklich leisten kann - egal ob es um einen unbezahlten Urlaub, ein neues Auto oder eine frühzeitige Pensionierung geht.

Wir sind drei Startupper, die gemeinsam neue Geschäftsideen suchen.

Alle drei von uns haben sich im Leben bereits mehrmals für grössere Veränderungen entschieden – sei es, unbezahlte Ferien zu machen, den Job zu kündigen oder ein eigenes Startup zu gründen. Dabei tauchte immer wieder dieselbe Frage auf: „Kann ich mir das überhaupt leisten?“ Konkret geht es dabei nicht um den Finanzplan eines Unternehmens, sondern um die persönliche Finanzplanung wie Lohnausfall, Sparen und Altersvorsorge. Beispielsweise: Kann ich ein Jahr auf mein Einkommen verzichten? Kann ich auf 60 % reduzieren? Oder vielleicht auch: wie sieht es aus, wenn ich für meinen Lebensabend nach Thailand ziehen möchte?

Das Problem

Wer sich diese Fragen stellt, stösst schnell auf eine Vielzahl von Unsicherheiten. Viele vergessen zum Beispiel, dass Änderungen beim Lohn oder gar kein Lohn Auswirkungen auf die Pensionskasse haben können. Steuerliche Aspekte werden ebenfalls oft unterschätzt oder ausgelassen. Und wer sein Erspartes angreifen möchte, muss sich mit der Frage beschäftigen, wie Inflation die Finanzsituation langfristig beeinflusst. Die Berechnungen sind auch durch Effekte wie Zinseszins unintuitiv und komplex zu modellieren.

Natürlich kann man zu einer Finanzberaterin oder einem Finanzberater gehen, doch das kann teuer werden und ist für kleinere finanzielle Entscheide unpraktikabel. Eine günstigere Möglichkeit sind Finanz-Tools. Doch in unserer eigenen Suche haben wir meist nur spezialisierte Angebote gefunden: zum Beispiel ein Hypothekenrechner, der zwar angibt, ob eine Hypothek tragbar ist, jedoch nicht Steuern, Pensionskasse, etc. berücksichtigt. Oder Ausgaben-Tracker, die Einnahmen und/oder Ausgaben aufzeichnen, dafür jedoch keine oder nur unzureichende Prognosen für die Zukunft erstellen. Oft fehlen zudem landesspezifische Komponenten wie AHV oder die Pensionskasse – insbesondere bei internationalen Apps.

Die Lösung

Genau hier setzt diese Startup-Idee an: Wir wollen ein einfach zu bedienendes Tool entwickeln, das mit wenig Eingabe-Aufwand (z.B. hochgeladene Steuererklärungen und einige Grundinfos) alle Schweizer Eigenheiten berücksichtigt und realistische Prognosen für die Zukunft erstellt. Das Ziel: Nutzerinnen und Nutzer können damit schnell und unkompliziert verschiedene Szenarien durchspielen – beispielsweise ein unbezahltes Sabbatical, ein Autoleasing oder einen vorgezogenen Ruhestand – und sehen sofort, ob „es langen würde“ (daher auch die Domain www.langets.ch).

Herausforderungen

  • Geschäftsmodell
    Wie lässt sich ein solches Tool monetarisieren? Eine direkte Bezahlung durch die Nutzenden führt oft zu einer hohen Einstiegshürde, sodass wir uns eher ein Freemium-Modell vorstellen: Die Basisfunktionen bleiben kostenlos, erweiterte Features könnten kostenpflichtig werden. Werbung ist eine weitere Option, lohnt sich aber aufgrund der tiefen CPM nur, wenn man sehr viel Traffic hat. Eine weitere Möglichkeit ist zielgerichtete Werbung, wo z.B. ein Reisebüro direkt ein Ziel bewerben kann, was dann die User auswählen können. Referrals zu Werbepartner wie Hypothekenbanken bei Immobilien könnten schon mit relativ wenig Usern erste Umsätze generieren.
  • Zielgruppe
    Verwendet überhaupt jemand so ein Tool? Diejenigen, die ohnehin gerne planen, legen sich häufig selbst Excel-Tabellen an, die aber fehleranfällig sein können. Und Personen, die Ende Monat oft in finanzielle Engpässe geraten, kümmern sich möglicherweise gar nicht um langfristige Planung. Unsere erste Landing-Page www.langets.ch haben wir testweise auf Instagram und Facebook beworben. Das Ergebnis unseres Experimentes: von 10’000 angezeigten Werbungen, klickten 100 Viewers überhaupt auf die Anzeige (also 1%), und davon trug sich wiederum nur eine Person auf die Waitinglist ein (also wiederum 1%). Vor allem die letzte Zahl ist natürlich nicht mehr statistisch signifikant.

 

Verbesserungsmöglichkeiten

Es kann gut sein, dass wir mit unserer Kampagne die falsche Zielgruppe angesprochen oder das Design nicht optimal war. Demographisch interessant war, dass eher ältere Menschen geklickt haben, eventuell aus Interesse an ihrer Lebenssituation nach der Pensionierung. Oder es liegt daran, dass sich mittlerweile vor allem ältere Zielgruppen auf Facebook bewegen.

Ebenfalls ist Trust und das Wording im Finanzbereich entscheidend. Hier gibt es viele Möglichkeiten, wie das Thema geframed werden kann, von Bildsprache über Anschaffungsszenarien.

Lean Canvas

Problem

Finanzplanung für eine Lebensänderung ist schwierig und aufwändig. Es involviert komplizierte Dinge wie Pensionskasse, Steuern, Inflation, etc. #users

? #customers

Existing Alternatives​

Finanzplanungstools machen nur jeweils einen Teil des ganzen (z.B. Hypothekenrechner) und brauchen oft ein genaues Aufschreiben aller Ausgaben, was mühsam ist. #users

Google Ads, Instagram, Linkedin, etc., Leasing Firmen #customers

Solution​

Einfache Finanz-Projektion, mittels hochladen der zwei letzten Steuererklärungen sowie wenigen generellen angaben.

Key Metrics​

Acquisition: Unique Ad viewers

Activation: mind. 30 sec online, mind. 50% gescrollt

Retention: wiederkehrender Besuch

Revenue: Signups

Referral: momentan nicht relevant

Unique Value Proposition​

Wissen, was man sich wirklich leisten kann. #users

Neue Kunden. #customers

High Level Concept​

Single-button-App für Finanzplanung

Unfair Advantage

Lokal aus der Schweiz → Kennt alle Schweizer Finessen (AHV, BVG, Steuern etc.)

Channels

Ads auf Instagram, Facebook, etc.

Website

Finanzdienstleister

Customer Segments ​

Leute die eine Änderung in ihrem Leben planen (z.B. Frühpensionierung, Reduktion Arbeitspensum) #users

Reisebüros, Autohändler #customers

Early Adopters

FIRE community #users

Cost Structure​

Softwareentwicklung (10k/Mo.), Serverkosten (50.-/Mo.), Werbung (500.-/Mo.)

Revenue Streams

Ziel-Werbung: 1.- pro Klick oder 5% für erfolgtem Verkauf.

Lean Canvas is adapted from Business Model Canvas and is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Un-ported License.

Unsere Meinung

Ich selber verwende den von uns entwickelten Prototyp und spiele gerne verschiedene Zukunftsoptionen damit durch. Aber ich glaube es wird schwierig, viele User für das Tool zu kriegen. Dies einerseits weil viele sich einfach nicht um ihre Finanzen kümmern wollen (auch wenn es mit Langets super einfach ist) und andererseits, weil vermutlich diejenigen, die es trotzdem machen, das Tool bloss einmal verwenden und dann wieder vergessen.
Marcel
Ich sehe den Bedarf, auch in Underserved Markets wie der Vorsorge für Frauen und das Potential in der Erleichterung und Automatisierung der Datenpflege und Beratung. Wenn das Produkt "Langets" weiter geschärft wird, kann es wohl auch besser an die Zielgruppe vermittelt werden.
Matthias
Ein Tool, das von der FIRE-Community genutzt werden könnte. Ich glaube aber nicht, dass der Markt gross genug für ein skalierendes Startup ist.
Oliver

Fazit

Die Idee eines einfach zu bedienenden Finanztools, das sämtliche Schweizer Besonderheiten einbezieht, ist vielversprechend – gerade für Menschen, die grössere Veränderungen in ihrem Leben planen. Allerdings stehen wir vor der Herausforderung, ein attraktives Geschäftsmodell zu finden und gleichzeitig genügend Menschen für das Tool zu begeistern. Unser Testlauf zeigte, dass man Zielgruppe und Ansprache genau überdenken muss.

Ob sich ein solcher Service am Ende durchsetzen kann, hängt von mehreren Faktoren ab: der Qualität der Berechnungen, der Benutzerfreundlichkeit und letztlich davon, ob genügend Nutzerinnen und Nutzer bereit sind, ihm ihre persönlichen Finanzdaten anzuvertrauen. Wir bleiben dran und sind gespannt auf die weitere Entwicklung.

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3 Responses

  1. Die Schwierigkeit liegt wahrscheinlich darin, dass man doch relativ viele und genaue Angaben als Input braucht. Ob die Steuererklärung dazu reicht? Und wenn die Lösung sozusagen nur einmal verwendet wird, ist das ohne wiederkehrende Userbasis schlecht zu monetarisieren. Mich würde eine Lösung interessieren, mit der ich die Angaben von verschiedenen Konten (Bank, Kreditkarte, 3. Säule, Investments, etc.) übersichtlich kombinieren könnte. Einmal einrichten, aber danach die Übersicht in Echtzeit behalten und/oder basierend darauf eine Projektion in die Zukunft erhalten. Wegen Compliance, Sicherheitsrisiken, verschiedenen Standards etc. aber wahrscheinlich nicht umzusetzen.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Der erste hier im Blog 🎉
      Wir haben uns auch schon mit diesen Punkten beschäftigt. Die Idee wäre hier, dass man mit zwei hochgeladenen Steuererklärungen schon relativ viel weiss: Einkommen, Vermögen (inkl. in was man sein Vermögen angelegt hat) etc. Weil man mit zwei Steuererklärungen schön zwei Messungen hat, kann man errechnen wieviel man dazwischen verbraucht hat. Dies reicht um eine einfache Projektion zu machen, wo man z.B. schauen kann, wie sich das mit 20% weniger Lohn aber gleichem Verbrauch entwickeln würde – inklusive Inflation, Pensionskasse, AHV etc.
      Natürlich fehlen da noch ein paar Angaben, wie z.B. wann deine Hypothek abläuft. Das sind aber relativ wenige und einmalige Angaben.
      Wie du schreibst, ist das dann aber natürlich nicht in Echtzeit. Dafür fehlen aber nur noch die Kontostände vom aktuellen Tag, was man in einer ersten Version mit einer einfachen Eingabemaske machen kann (dauert bei mir 5 Minuten). Dass dies automatisch auch geht, sieht man bei den existierenden Finanztracker-Tools oder multi-Banking-Apps – aber da braucht es Vertrauen und eine sichere Software. Was uns bei den existierenden Apps fehlt, ist aber eben die Projektion in die Zukunft mit allen Schweizer Finessen.

  2. Ich habe mal finario.ch benutzt; sehr umfassend, auf Pensionierung ausgerichtet. Man braucht viele Inputs. Idee mit Steuererklärung ist gut. Monetarisierung ist schwierig, eine Möglichkeit wäre auch die Vermittlung von professionellen Finanzberatern und das Teilen der Daten mit diesen.

    Aus dem Bedarf an Daten für solche Tools ist dann die Idee des «Digital Data Hubs» entstanden (https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6891015464403693568/).

    LG und viel Erfolg!
    Martin

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Über uns

Wir sind drei Startupper aus Zürich, auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Hier teilen wir unsere Ideen offen und freuen uns über Dein Feedback!

Marcel

Nach seinem Doktorat in Informatik an der ETH Zürich arbeitete Marcel in verschiedenen Startups, darunter auch in seinem eigenen. Anschliessend war er neun Jahre bei Apple tätig, wo er Teams und Projekte im Bereich Computer Vision und Künstlicher Intelligenz leitete. Marcel ist Advisor in mehreren Startups. Darüber hinaus berät er mit seiner Firma Nuivis auch grössere Unternehmen im Bereich Künstliche Intelligenz.

Matthias

Nach seinem Master in Informatik mit Nebenfach Architektur an der ETH Zürich forschte Matthias am Xerox Palo Alto Research Center PARC an kontextbasierten KI-Technologien. 2007 gründete er ein Studio und entwickelte preisgekrönte AR-, VR- und XR-Projekte für Kunden wie Meta, Red Bull oder Universal Studios. Als internationaler Konferenzredner, Jurypräsident von Best of Swiss Apps und Berater teilt er sein Wissen über Technologie und Unternehmertum. Nebenbei widmet er sich 3D-Druck, Elektrodenschweissen, Longevity und Sport. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Oliver

Oliver ist Tech-Entrepreneur mit Fokus auf digitalen Geschäftsmodellen und zweiseitigen Plattformen. Als Startup-Gründer, Verwaltungsrat und Lecturer an verschiedenen Hochschulen beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Entrepreneurship, Startups, Technologie, Innovation Management und digitale Ökonomie.