Simplect – modulare Bauteile für Objekte im täglichen Leben

Die Grundidee klingt vielversprechend: modulare Elemente (Platten, Stangen, Verbindungsstücke, etc.), die man kinderleicht zusammenstecken und vielseitig verwenden kann – ähnlich wie Meccano, aber für die echte Welt. So könnte jeder zum Beispiel eigene Möbel bauen, ganz ohne Spezialwerkzeuge. Wenn diese Bauelemente aus hochwertigen Materialien wie Holz oder Metall bestehen und von Designern ästhetisch gestaltet werden, sind auch die fertigen Ergebnisse attraktiv und wertig.

Anwendungsbeispiele

Ein einfacher Einstieg wäre ein mitwachsender Tritthocker für Kinder, der sich an die Grösse des Kindes anpasst. Wird das Kind grösser, ersetzt man einfach die Beine durch längere Bauelemente.

Oder wie wäre es mit einer flexiblen Schuhbank im Eingangsbereich? Unten Platz für Schuhe, oben Sitzfläche oder Ablagefläche – die Grösse lässt sich durch das Stecksystem individuell in Breite, Höhe und Tiefe optimieren, passend für jeden Flur.

Ein weiterer Vorteil: Die Elemente sind jederzeit wiederverwendbar. Braucht man ein Möbelstück oder eine gebaute Konstruktion nicht mehr, lässt sie sich einfach demontieren. Anstatt entsorgt oder recycelt zu werden, werden die Teile direkt vor Ort neu verwendet. So entsteht ein perfekt nachhaltiger Kreislauf nach dem Prinzip der Circular Economy.

Ein erster Prototyp, schnell per 3D-Druck erstellt (aktuell noch ohne ausgearbeitetes Design), zeigt bereits, wie einfach kleinere Bauteile hergestellt und getestet werden können:

Mögliche Vermarktungsstrategie

Ein sinnvoller Weg, diese Idee bekannt zu machen, könnte das Open-Source-Prinzip sein. Dabei werden Baupläne und Designs der Einzelteile online frei zur Verfügung gestellt. Nutzer können selbst Teile herstellen oder neue Designs in einem Community-Bereich vorschlagen. Über einen Webshop könnten dann qualitativ hochwertige Originalteile als Premium-Option angeboten werden. Diese Strategie ist bei Maker-Produkten sehr verbreitet, denn sie bietet der Kundschaft Freiraum für Kreativität. Der Vorteil ist eine gute Kundenbindung. Gleichzeitig bedeutet es Aufwand in der Betreuung (Community-Management).

Problem vs. Lösung

Auch wenn für diese Idee weder Hammer noch Nägel gebraucht werden, illustriert sie dennoch sehr deutlich das bekannte Sprichwort: „Wer nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.“ Die Hauptschwäche der Idee liegt darin, dass sie eher technisch getrieben ist, anstatt aus einem konkreten Kundenbedürfnis entstanden zu sein. Zwar existieren einige attraktive Anwendungsmöglichkeiten, diese beschränken sich jedoch hauptsächlich auf Möbel und einige wenige Sonderfälle. Die zentrale Frage bleibt: Warum sollten Kunden diese modularen Möbel bevorzugen, wenn sie Alternativen unkompliziert online bestellen können? Dasselbe gilt auch für andere Anwendungsgebiete: z.B. gibt es für Hilfswerke schon fertige Zelte oder Einrichtungsgegenstände. Auch für Makerspaces gibt es schon fertige Tools, Werkbänke und Elementsysteme.

Einige Erfinder oder Startups haben bereits ähnliche Ideen verfolgt, jedoch ohne grossen Erfolg (Beispiele: OpenStructures, Grid Beam,  EverBlock, etc.). Aktuell gibt es zudem keinen erkennbaren gesellschaftlichen oder technischen Wandel, der plötzlich eine deutlich erhöhte Nachfrage für ein solches Produkt schafft. Zwar erleichtert der 3D-Druck die Herstellung, doch bedeutet das nicht zwangsläufig, dass damit ein tatsächliches Kundenbedürfnis entstanden ist.

Lean Canvas

Problem

Möbel passen nicht genau in die Wohnung.
Wer nicht schreinern kann, hat keine Möglichkeit einfach etwas zu bauen.
Viele Objekte werden nicht oder schlecht rezykliert.

Existing Alternatives​

Möbelläden
Selber Handwerkern
Auftrag an eine Werkstatt geben
OpenStructures, Gridbeam, etc.

Solution​

Elemente, die man einfach zu beliebigen Objekten zusammenbauen kann.

Key Metrics​

Acquisition: Anz. Ad Views

Activation: Anz. Website Visits

Retention: ?

Revenue: Anz. Bestellungen

Referral: Anz. Bewertungen auf Google u.ä.

Unique Value Proposition​

Einfaches Prototyping und Bauen von Möbel, Tool, Objekten, etc.

Wiederverwertung ohne Umweg über Recycling

High Level Concept​

Meccano für Objekte in der realen Welt

Unfair Advantage

Schweizer Qualität

3D Modeling Erfahrung

Channels

Werbung

Bastler-Foren

Design-Wettbewerbe

Customer Segments ​

Private für zu Hause ; Bastler

Prototyping für Firmen

Early Adopters

Bastler

Bildung

Makerspaces

Notunterkünfte (Hilfswerke).

Cost Structure​

Erstellung der Elemente: Metall mit CNC, Plastik mit 3D Druck, Holz durch Schreinerei. CHF ?

Werbung: CHF ?

Revenue Streams

Verkauf der Elemente: CHF ?

Lean Canvas is adapted from Business Model Canvas and is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Un-ported License.

Fazit

Simplect ist eine charmante und kreative Idee, hat aber als Startup das Risiko einer «Touristenfalle»: Tolle Idee, aber schwierig nachhaltig zu vermarkten. Um eine Chance zu haben, müsste das Produkt-Design herausragend sein, sodass jedes daraus erstellte Endergebnis auch optisch überzeugt. Zudem könnte der zunehmende Fokus auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft hilfreich sein. Aber trotzdem bleibt das Problem, dass die möglichen Kunden auch wirklich einen Job-to-be-done haben müssen, den sie nur damit oder damit besser machen können. Dies fehlt leider bei dieser Startup-Idee.

Unsere Meinung

Das Fazit sagt eigentlich schon alles: Dies ist eine tolle Idee, aber wird wohl ausser bei ein paar Bastler:innen schwierig zu vermarkten sein. Da ich selber mich auch zu den Bastler zähle, war auch ich anfänglich blind vor diesem Problem. Auch wird es schwierig, die Teile so zu machen, dass man auch wirklich sinnvolle Objekte daraus erstellen kann. Kann ich mir zum Beispiel ein Fahrrad daraus bauen? Wohl eher nicht. Also bleibt es bei ein paar Möbeln oder Haushalts-Tools, wo der Markt schon zu stark umkämpft ist.
Marcel
Ich finde die Idee bestechend, weil sie gerade auf Kickstarter oder ähnlichen Plattformen viele begeisterte Nutzende weltweit erreichen kann. Respekt habe ich vor der physischen Produktion und dem Vertrieb; hier kann man aber sicher mit spezialisierten Partnern zusammenarbeiten. Ebenfalls interessant finde ich den Einsatz für Notunterkünfte oder in der Bildung (Schulzimmereinrichtung).
Matthias
Meiner Meinung nach eignet sich ein Möbel-Selbstbausystem maximal für Bastler. Ikea-Möbel sind so günstig, dass es sich nicht lohnt, Bauteile für eigene Designs einzukaufen. Im B2B-Bereich könnte der Messebau ein Anwendungsgebiet sein, da dort schnell individuelle Desigs umgesetzt werden müssen.
Oliver

Gib uns Feedback!

Wie gefällt Dir unsere Idee? Wir freuen uns über Dein Feedback!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über uns

Wir sind drei Startupper aus Zürich, auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Hier teilen wir unsere Ideen offen und freuen uns über Dein Feedback!

Marcel

Nach seinem Doktorat in Informatik an der ETH Zürich arbeitete Marcel in verschiedenen Startups, darunter auch in seinem eigenen. Anschliessend war er neun Jahre bei Apple tätig, wo er Teams und Projekte im Bereich Computer Vision und Künstlicher Intelligenz leitete. Marcel ist Advisor in mehreren Startups. Darüber hinaus berät er mit seiner Firma Nuivis auch grössere Unternehmen im Bereich Künstliche Intelligenz.

Matthias

Nach seinem Master in Informatik mit Nebenfach Architektur an der ETH Zürich forschte Matthias am Xerox Palo Alto Research Center PARC an kontextbasierten KI-Technologien. 2007 gründete er ein Studio und entwickelte preisgekrönte AR-, VR- und XR-Projekte für Kunden wie Meta, Red Bull oder Universal Studios. Als internationaler Konferenzredner, Jurypräsident von Best of Swiss Apps und Berater teilt er sein Wissen über Technologie und Unternehmertum. Nebenbei widmet er sich 3D-Druck, Elektrodenschweissen, Longevity und Sport. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Oliver

Oliver ist Tech-Entrepreneur mit Fokus auf digitalen Geschäftsmodellen und zweiseitigen Plattformen. Als Startup-Gründer, Verwaltungsrat und Lecturer an verschiedenen Hochschulen beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Entrepreneurship, Startups, Technologie, Innovation Management und digitale Ökonomie.